Realtalk

Jahreswechsel

Zwanzig-zehn geht, zwanzig-elf kommt. Ich bleibe…

 

… allein zu Hause. Und dabei bin ich nicht mal einer dieser Baum abknutschenden Ökos, der die Umweltverpestung der Neujahrszelebranten anprangert. (Auch wenn mich die Feststellung, dass im Netz so überhaupt keine Schadstoffmessungen für die Silvesternacht aufzufinden sind, schon erstaunt.) Aber wie dem auch sei. Jetzt mal Hand aufs Herz. Ob mich die Losung der Mediziner: "Statt mit Pollen-Böllern lieber mit Champagnerkorken knallen" überzeugt? Mitnichten...  Ich – als passionierter Sportficker – knall' da doch deutlich lieber mit meiner Perle. Kein Zweifel.

Lassen wir aber nun das Reden um den heißen Brei. Ich bring's einfach mal mit den Worten des von mir geschätzten Rap-Künstlers JAW auf den Punkt:

"Ja Bitch, so ist das! Ich bin kein Party-Männchen,/                                                      Doch erst gekocht und danach angebraten mag ich Menschen/"

So isses. Ich kapsle mich ab von dieser ganzen Party-Gesellschaft... Ja, verdammt. Ich war noch niehiiiemals in einer Disco oder irgendeinem anderen Tanzschuppen. Wenn mich jemand fragt, ob ich denn nun endlich mal in einen Club gegangen sei, antworte ich nur kopfschüttelnd die Augenbrauen zusammenziehend: "Nein, Mann…", um dann lächelnd die Augenbrauen hochziehend hinzuzufügen "Ich will noch nicht gehen…".

 

Nichtsdestoweniger interessiert mich das Thema Silvester. Also,  was ist dieses "Silvester" eigentlich? Nun, Silvester beschreibt den sogenannten Altjahrestag, den 31. Dezember also den letzten Tag des Jahres im Gregorianischen Kalender. Warum die ganze Chose Silvester heißt? Weil der im Jahre 335 nach Christi Geburt amtierende Papst Silvester I. am 31. Dezember jenes Jahres starb. Der Großteil der Menschheit feiert somit bewusst oder unbewusst den Namenstag eines heiliggesprochenen Katholiken. Sei’s drum. Stört sich eh keiner dran. Hmm... abgesehen von den radikalen Islamisten à la Pierre Vogel selbstverständlich. Na gut. Na gut. Dementsprechend eine Korrektur: Es stört sich niemand dran, der zählt...

So viel zum historischen Hintergrund. Richten wir den Fokus auf die Gegenwart. Stellen Sie sich das Jahresendfest vor Ihrem inneren Auge vor und Sie sehen wie Feuerwerkskörper in mannigfaltigen Farben explodieren, wie sich Liebespaare in lärmenden Menschenmassen durch einen unvergesslichen Kuss in eine romantische Blase verlieren, wie sich Freunde und Familien in den Armen liegen, wie sofort die ersten Vorsätze gebrochen werden und wie unbedarfte Kinder sich dank Pyrotechnik mit Detonationswunden verstümmeln... Es bietet sich Ihnen also ein rundum herrliches Spektakel!

 

Nur feiert so gar nicht mal jedes blinde Schaf auf der Welt. Ganz ohne Knallkörper kommt man zum Beispiel in der japanischen Hauptstadt Tokio aus. Dort lässt man zur Geisterstunde durchsichtige Luftballons gen Firmament steigen. Ob das ein Bekenntnis zur transparenten Politik sein soll? Wer weiß. Im Gegensatz zum großen asiatischen Bruder China wäre Japan zumindest zu solch einem Statement berechtigt.

 

Sieht spirituell aus, huh? Wohl wahr... Ist aber noch topbar von den Shinto-Priestern Tokios. Sie führten vor dem Jahresumbruch eine ausgiebige Körperhygiene durch. Keine Besonderheit für asiatische Verhältnisse, da dort die Dusche vor dem Schlafen grundsätzlich als reinlich angesehen wird. Aber wenn man bedenkt, dass die Samurai, die Krieger des vorindustriellen Japans, stets vor Schlachten baden gingen, um vor Gott gesäubert zu erscheinen falls sie im Gefecht baden gingen, mutet dieses Ritual schon sonderbar an.


Aber genug von den Riten Ostasiens. Wagen wir einen Blick in den geographischen Grenzraum zwischen Mittel- und Südosteuropa. Was finden wir da? Das fast 240.000 km² große Rumänien. Das spielt ziemlich genau in der Größenordnung einer zwei Drittel Fläche Deutschlands. Hier sind Kinder von Haus zu Haus auf Stippvisite. Nein, nicht um einen religiösen Feiertag wie den Reformationstag in Vergessenheit geraten zu lassen und Süßigkeiten abzugreifen. Weit gefehlt! Sie verfolgen ein zweifellos hehres Ziel. Als Bär kostümiert vertreiben sie nämlich aus jedem Anwesen den missliebigen Beelzebub. Tjaja, die rumänische Variante des Fasching... Blagen auf Hausbesuch zwecks satanischer Austreibung. Warum auch nicht, ne?

 

Lirum Larum. Mir alles gleich. Ich fick' Silvester… Ey, wie Felix Blume bei seinem ersten Mal… *räusper* Ich fick' Silvester…

 

Hadi

 

 

Quellen:

tagesschau.de/multimedia/bilder/tokio164_v-grossgalerie16x9.jpg

tagesschau.de/multimedia/bilder/japan310_v-grossgalerie16x9.jpg

tagesschau.de/multimedia/bilder/rumaenien170_v-grossgalerie16x9.jpg

1.1.11 11:11

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bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Sokoban (5.1.11 03:18)
Wieder was gelernt.
Herrlich geschrieben und ebenso unterhaltsam als lehrreich - interessante Weltansichten eines Teilzeitmisanthropen.

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